Freitag 05.09.2025 17:00 Uhr
Vortrag: Bliden und schwere Steinbüchsen - Burgenbrecher in Sachsen
Am Freitag, den 5.9., 17 Uhr stellt Dr. Michael Kirchschlager, Burgvogt der Marksburg und Geschäftsführer der Deutschen Burgenvereinigung e.V., im Kulturhistorischen Museum Franziskanerkloster Zittau spätmittelalterlicher Steinschleuder-Maschinen vor.
Die Blide zählt zu den mechanischen Großfernwaffen und stellt die bedeutendste militärtechnische Entwicklung des Mittelalters dar. Konstruktiv aus Ziehkraft-Schleudern (Mangen, Petrarien) über Hybridtypen (Trabucium, Tribock) entstanden, kam sie ab ca. 1240 in Deutschland zum Einsatz. Aufgrund der Fähigkeit der Blide, als Fernwaffe Tag und Nacht auf 250 bis 400 m Entfernung (Gebrauchswurfweite) treffsicher und mit großer Zerstörungskraft gegnerische Befestigungen zu bekämpfen, kann man auf hohe militärische Effizienz schließen.
Das Haupteinsatzgebiet von Bliden in Deutschland war die Bekämpfung von Burgen des Adels (vom Kleinadel bis zum Hochadel). Allerdings wurden sie auch gegen Städte eingesetzt.
Als Munition dienten hauptsächlich Blidensteine, aber auch chemische (Brandmittel) und biologische Kampfmittel (tote Tiere, Pestleichen). Erst mit dem Aufkommen der großen Steinbüchsen um 1380 gerieten die Bliden als Fernwaffen in den folgenden 100 Jahren nach und nach außer Gebrauch. Bis ins 15. Jahrhundert hinein kamen beide Großfernwaffen noch in Kombination zum Einsatz. Architektonisch reagierte man mit neuen Bauformen: es entstanden die Schildmauer und der fünfeckige Turm mit einem bugförmigem Grundriss.
Der Aufwand einer Belagerung mittels einer oder mehrerer Bliden, die damit verbundenen Kosten und die zahlreichen Nachweise von erfolgreichen Blideneinsätzen belegen den hohen militärischen Nutzen. Dennoch muss die Effizienz immer im Zusammenhang mit der jeweiligen fortifikatorischen Entwicklung und der Art der belagerten Befestigung sowie den Abwehrmaßnahmen gesehen werden.
Der Vortrag findet im Rahmen der Ausstellung „Ritterlich! 750 Jahre Johanniter in Sachsen“ (21.6.-26.10.2025) statt.
Der Vortrag findet in Zusammenarbeit mit der Deutschen Burgenvereinigung statt.
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